Wirtschaft

Warum Kapital in Griechenland vor allem in Energie fließt – und kaum in die Produktion

Aktuelle FDI‑Zahlen und Branchenberichte zeigen: Erneuerbare, Netze, LNG und Speicher binden den Großteil neuer Investitionen in Griechenland. EU‑Fördermittel und planbare Erträge begünstigen den Sektor, während Industrieprojekte an Verfahren, Flächen und Fachkräften scheitern.

Aktuelle FDI‑Statistiken der Bank of Greece und neue Branchenberichte belegen, dass 2025/26 der Löwenanteil größerer Investitionen in Griechenland in Energieinfrastruktur floss – von erneuerbaren Projekten über LNG‑ und Speicheranlagen bis zum Netzausbau – deutlich mehr als in neue Produktionskapazitäten.

Dafür sprechen mehrere Faktoren. Erstens bietet das Land Standortvorteile für die Energiewende: hohe Solar‑ und Windpotenziale sowie eine geopolitisch günstige Lage als Korridor für Gas- und Stromflüsse. Nach Angaben von Enterprise Greece ziehen unter anderem die Trans‑Adria‑Pipeline TAP, der Interkonnektor IGB und zusätzliche Importkapazitäten Investoren an.

Zweitens wirken EU‑Fördergelder als Katalysator. Der EU‑Länderbericht 2026 verweist auf zielgerichtete Programme und NGEU‑Mittel, die Netzinterkonnektionen, Speicher und Flexibilitätsoptionen kofinanzieren. Das erhöht die Pipeline bankfähiger Projekte und die Visibilität künftiger Cashflows – ein Vorteil gegenüber oft längerfristigen, marktnahen Industrieinvestitionen ohne regulierte Erlösmechanismen.

Drittens sind Rendite- und Genehmigungsprofile in regulierter Energieinfrastruktur häufig kalkulierbarer. Die Bank of Greece verzeichnete entsprechend hohe Netto‑FDI‑Zuflüsse, mit Energie und Immobilien unter den dominierenden Kategorien. Die EY Attractiveness Survey nennt erneuerbare Energien und infrastrukturnahe Vorhaben regelmäßig als Spitzenfelder des Investoreninteresses; großvolumige Neuansiedlungen in der verarbeitenden Industrie bleiben demnach seltener.

Demgegenüber bremsen Industrieprojekte strukturelle Hürden: komplexe Verfahren, Flächenknappheit in geeigneten Gewerbezonen, lange Vorlaufzeiten für Umwelt‑ und Baugenehmigungen sowie Engpässe bei qualifizierten Fachkräften. Studien zur griechischen Energiewirtschaft, darunter Analysen der HAEE, weisen zugleich auf unzureichende Netz- und Speicherkapazitäten hin: Sie begrenzen kurzfristig Erträge aus Erneuerbaren, erzeugen aber gerade dadurch großen Investitionsbedarf in die Infrastruktur.

Kurzfristig stärkt die Energieausrichtung Griechenlands Investitionsvolumen und die Position als regionales Energie‑Drehkreuz. Mittel‑ bis langfristig birgt die Fokussierung jedoch ein Konzentrationsrisiko: Ohne breitere industrielle Wertschöpfung bleiben Produktivitätseffekte und Exportdiversifizierung begrenzt. EU und IEA empfehlen daher ein Bündel an Maßnahmen: straffere, digitalisierte Genehmigungen für Industrieansiedlungen, gezielte Förderprogramme für Produktionskapazitäten und Technologietransfer sowie die Ergänzung energieseitiger Subventionen um Strukturreformen im Arbeits‑, Planungs‑ und Flächenrecht. Gelingt diese Flankierung, können Infrastrukturinvestitionen in Netze, Speicher und Flexibilität zum Sprungbrett für eine breiter aufgestellte Produktionsbasis werden – statt zur Sackgasse einer einseitigen Kapitalbindung.

Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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