Griechenland und Zypern treiben die elektrische Verbindung zwischen Kreta und Zypern voran. Mitte August haben nach Behördenangaben die maritimen Vermessungen mit einem französischen Schiff erneut begonnen. Bereits am 5. August 2026 hatte Athen in Abstimmung mit Nikosia zusätzliche Schritte zur Beschleunigung des Great Sea Interconnector beschlossen. Das Vorhaben zielt auf ein rund 1.000-MW-Hochspannungs-Gleichstromkabel, das Zypern erstmals an das kontinentaleuropäische Stromnetz anbinden soll. Nach Regierungsangaben umfasst das Paket unter anderem die Beteiligung des französischen Infrastrukturinvestors Meridiam an der Projektgesellschaft, um Finanzierung und Umsetzung zu stützen.
In der Sache ist das Projekt energiewirtschaftlich und systemisch bedeutsam: Es würde die bisherige Insellage des zyprischen Energiesystems beenden, die Versorgungssicherheit auf beiden Seiten der Leitung erhöhen und perspektivisch Handelsspielräume im europäischen Strommarkt eröffnen. Zuständig für Planung und Umsetzung auf griechischer Seite ist der Übertragungsnetzbetreiber; technisch stehen weitere Vermessungen, die Festlegung der endgültigen Trasse und in der Folge Herstellung sowie Verlegung der Kabelabschnitte an. Behörden bekräftigen, dass die vorbereitenden Arbeiten planmäßig laufen.
Politisch bleibt die Initiative sensibel. Türkische Stellen und die Führung der von Ankara unterstützten türkischzyprischen Verwaltung haben in den vergangenen Jahren wiederholt Schritte unternommen, die als Beeinträchtigung von Vermessungs- und Verlegearbeiten gewertet wurden. Dokumentierte Zwischenfälle mit türkischen Marineeinheiten nahe geplanter Routen – unter anderem im Seegebiet um Kasos und Karpathos – führten zu diplomatischen Protesten Athens. Aus Brüssel wurde in diesem Zusammenhang wiederholt auf die Geltung des internationalen Seerecht hingewiesen. Offizielle türkische Einlassungen zu den jüngsten Vermessungen liegen bislang nicht in umfassender Form vor.
Aussagen, Bewertungen und Ausblicke sind zu trennen: Die beschlossenen Beschleunigungsschritte und der Wiederbeginn der Vermessungen sind Fakten. Die Regierungen in Athen und Nikosia werten das Vorhaben zugleich als wirtschaftliches und geopolitisches Signal. Der griechische Premierminister stellte die Stärkung der energiepolitischen Handlungsfähigkeit der Region heraus. Ob das aktuelle Tempo gehalten werden kann, hängt von endgültigen Finanzierungsentscheidungen, störungsfreien Vermessungen und einer deeskalierenden Lage im östlichen Mittelmeer ab. Unternehmen und Institutionen vermeiden konkrete Terminprognosen; fest steht, dass das Projekt mit dem Great Sea Interconnector einen wesentlichen Baustein für eine robustere Netzintegration Zyperns liefert – vorausgesetzt, technische, finanzielle und diplomatische Voraussetzungen greifen ineinander.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).