Am 31. August 2026 rückt Griechenland erneut in den Fokus der europäischen Energiepolitik: Betreiber und Behörden treiben die praktische Umsetzung des Vertical Corridor voran, eines Nord-Süd-Gaskorridors, der Flüssigerdgas über griechische Häfen und Pipelines in die Märkte Südost- und Mitteleuropas leiten soll. Der aktuelle Nachrichtenanlass sind laufende Abstimmungen über grenzüberschreitende Kapazitätsprodukte sowie die Einbindung neuer Knotenpunkte in der Region.
Der griechische Fernleitungsnetzbetreiber DESFA berichtet über vertiefte Koordinierung mit Partner-TSOs aus Bulgarien, Rumänien, der Republik Moldau und der Ukraine; Ziel sind abgestimmte Kapazitätsprodukte und genehmigte Netzzugangsregeln für definierte Routen. Zudem ist Ungarn über FGSZ in die Kooperation des Vertical Corridor eingebunden, die bereits seit mehreren Jahren mit Absichtserklärungen und gemeinsamen Arbeitsgruppen unterlegt ist. Die Branche verweist darauf, dass Genehmigungen für Routen und Produkte an konkrete Fristen gebunden sind, damit gebuchte Kapazitäten tatsächlich kommerziell nutzbar werden.
Operativ stützt sich die Initiative auf in Betrieb befindliche und zuletzt ausgebauten Anlagen. Das Floating Storage and Regasification Unit in Alexandroupolis ergänzt die griechischen Einspeisepunkte und Tunnelkapazitäten Richtung Norden. Der Projektentwickler Gastrade meldete im Juli 2026 Arbeitstreffen mit Fernleitungsnetzbetreibern aus den Nachbarländern, um Engpässe zu identifizieren und zusätzliche Schnittstellen – auch in Richtung Westbalkan – vorzubereiten. Griechenland verweist in diesem Zusammenhang auf seine Rolle als südlicher Zugangspunkt für LNG, einschließlich Lieferungen aus den Vereinigten Staaten.
Die Europäische Kommission hebt in ihren jüngsten Berichten die Bedeutung von Diversifizierungsrouten für die Versorgungssicherheit hervor. Der Vertical Corridor gehört zu den Vorhaben, mit denen die Abhängigkeit von einzelnen Quellen verringert und die Resilienz der Gasinfrastruktur erhöht werden soll. Akteure aus der Region berichten von hoher Nachfrage nach Transportkapazitäten, was auf steigende Transit- und Handelsvolumina in Griechenland schließen lässt.
Offen bleiben jedoch rechtliche und strategische Fragen. Erstens müssen grenzüberschreitende Kapazitätsauktionen und Produkte in allen beteiligten Jurisdiktionen regulatorisch genehmigt werden. Zweitens mahnen Beobachter, dass zusätzliche Gaskapazitäten mit den Klimazielen der Europäischen Union in Einklang zu bringen sind und mittelfristig flexibel für grüne Gase nutzbar sein sollten. Drittens hängt der wirtschaftliche Nutzen für Griechenland von der Verstetigung kommerzieller Verträge und von der Synchronisierung mit den Nachbarn ab. Die aktuellen Schritte zeigen gleichwohl: Griechenland verfügt über Infrastruktur, Partner und politischen Rückenwind, um als Drehscheibe des Vertical Corridor zu agieren.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).