Im Berufungsgericht von Larisa ist die Hauptverhandlung zur Zugkatastrophe von Tempi am 21. September 2026 mit emotionalen Zeugenaussagen fortgesetzt worden. In der 31. Sitzung schilderte Alma Lata, Mutter der 21-jährigen Medizinstudentin Claudia Lata, den Verlust ihrer Tochter und warf den 36 Angeklagten vor, ihrer Familie das Leben zerstört zu haben. Die Zeugin übergab der Vorsitzenden Fotos ihrer Tochter. Nach übereinstimmenden Medienberichten wurde die Verhandlung kurz unterbrochen, nachdem die Mutter kollabiert sein soll.
Die Aussage reiht sich in die laufenden Berichte von Eltern und Angehörigen ein, die in diesem Verfahrensabschnitt im Mittelpunkt stehen. Sie rekonstruierten erneut die Ereignisse der Nacht des 28. Februar 2023 bei Tempi und beschrieben die Folgen für ihre Familien. Lata betonte, ihre Tochter habe an der Militärärztlichen Akademie studiert und den Berufswunsch Ärztin verfolgt. Die Familie lebe seit Jahrzehnten in Griechenland und habe große Anstrengungen unternommen, um den Kindern Ausbildungschancen zu eröffnen.
Die Dreirichter-Strafkammer des Berufungsgerichts verhandelt neben persönlichen Schilderungen auch prozessuale Streitpunkte. Zuständig ist sie für die Leitung der Beweisaufnahme, die Entscheidung über Anträge und den geordneten Verfahrensablauf. Im Fokus stehen weiterhin Beweiserhebungen zu digitalen Spuren, darunter die Auswertung von Mobiltelefondaten sowie Videoaufnahmen, die den beteiligten Güterzug betreffen. Nach bisherigen Berichten sollen Teile der Auswertung in den kommenden Wochen fortgeführt werden. Zu Fragen der strafrechtlichen Verantwortung äußerte sich das Gericht am Montag nicht in der Sache; Rechtsfolgen bleiben der Beweisaufnahme und der abschließenden Würdigung vorbehalten.
Das Verfahren zur Tempi-Katastrophe hat seit Monaten landesweite Aufmerksamkeit. Angehörige kritisieren eine aus ihrer Sicht schleppende Aufarbeitung und fordern vollständige Transparenz zu Sicherheitsmängeln im Bahnbetrieb vor dem Zusammenstoß. Verteidiger verweisen demgegenüber auf die Unschuldsvermutung und monieren eine Vorverurteilung durch öffentliche Debatten. Für den Fortgang der Verhandlung gelten die Klärung der Zulässigkeit digitaler Materialien, die Sicherung der Beweiskette und die Reihenfolge weiterer Zeugen als maßgeblich. Mit der Fortsetzung der Beweiserhebung bleibt der Gerichtssaal von Larisa der zentrale Ort, an dem persönliche Verlusterzählungen und technische Fragen der Aufklärung zusammengeführt werden. Die Verhandlung wird fortgesetzt.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).