Konstantinos Kyranakis, Parteisekretär der Nea Dimokratia, hat am 16. Oktober 2026 im Sender Action24 den sogenannten Kathetos Diadromos, international als Vertical Corridor bekannt, als nationales Schlüsselprojekt bezeichnet. Das Vorhaben mache Griechenland „unverzichtbar für unsere Verbündeten“ und stärke die Rolle des Landes als Energie-Drehkreuz für Südost- und Mitteleuropa, sagte er laut übereinstimmenden Medienberichten.
Der Vertical Corridor umfasst die nordwärts gerichtete Anbindung griechischer Erdgasinfrastruktur an Nachbarländer. Kernstücke sind die Flüssigerdgasterminals Revithoussa und das schwimmende Terminal vor Alexandroupoli sowie bestehende und ausgebaut werdende Leitungsverbindungen Richtung Bulgarien und darüber hinaus. Ziel ist es, zusätzliche Importkapazitäten flexibel nach Norden zu leiten und so Versorgungssicherheit und Marktintegration in der Region zu erhöhen.
Kyranakis’ Aussagen fügen sich in eine Reihe politischer Verlautbarungen, mit denen Athen die internationale Relevanz des Projekts unterstreicht. Die griechische Regierung hat in den vergangenen Monaten wiederholt darauf verwiesen, dass der Vertical Corridor den Energiefluss diversifiziere, Investitionen in Knotenpunkte wie Alexandroupoli absichere und die Rolle Griechenlands als Umschlagplatz für verflüssigtes Erdgas festige. Bei Veranstaltungen im Umfeld von NATO-Gremien wurde zudem diskutiert, inwieweit robuste Energieverbindungen auf dem östlichen Bündnisflügel als Beitrag zur Resilienz von Verbündeten wirken können.
Konkrete Leistungsdaten oder neue Finanzierungszusagen nannte Kyranakis in dem Fernsehauftritt nicht. Seine Bewertung bleibt damit eine politische Einordnung, die an die laufende Umsetzung technischer Teilprojekte anknüpft. In Griechenland wird der Vertical Corridor seit längerem als Querschnittsvorhaben zwischen Energie-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik behandelt. Befürworter verweisen auf die Verringerung von Abhängigkeiten und die stärkere Einbindung in europäische Netze. Kritische Stimmen mahnen, dass Infrastruktur allein keine Preisstabilität garantiere und längerfristige Gasstrategien mit den Klimazielen in Einklang gebracht werden müssten.
Der aktuelle Anlass ist die am 16. Oktober ausgestrahlte TV-Äußerung von Kyranakis. Sie bestätigt den politischen Kurs Athens, den Ausbau von Import- und Transitleistungen als Hebel der Außen- und Europapolitik zu nutzen. Ob und wie schnell sich daraus zusätzliche Kapazitäten und belastbare Lieferpfade ergeben, hängt von grenzüberschreitender Koordination und termingerechtem Ausbau der Netze nördlich der griechischen Grenze ab.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).