In einem Interview am 2. Oktober 2026 auf ERTnews Radio 105,8 warnte der Geowissenschaftler Michalis Diakakis vor einer wachsenden Verwundbarkeit Kretas gegenüber Starkregen. Der Assistenzprofessor für Extreme Phänomene und Naturkatastrophen an der Universität Athen verwies auf zwei Hauptursachen: das steile, gebirgige Relief der Insel und die zunehmende Siedlungsdichte infolge der touristischen Entwicklung.
Diakakis schilderte, dass zahlreiche kurze Gebirgsbäche bei intensiven Niederschlägen sehr rasch anschwellen und große Wassermengen in kurzer Zeit in tiefer liegende Siedlungen transportieren. In den Hanglagen falle häufig mehr Regen, während im Küstenstreifen immer mehr Flächen versiegelt und natürliche Abflusswege überbaut oder begradigt würden. Diese Eingriffe erhöhten die Abflussgeschwindigkeit und verringerten die Rückhaltefähigkeit der Einzugsgebiete – eine Kombination, die das Risiko plötzlicher Überschwemmungen besonders in dicht bebauten und touristisch geprägten Orten vergrößere.
Der Wissenschaftler betonte, dass klassische Schutzbauwerke alleine nicht ausreichen. Er plädierte für ein Bündel abgestimmter Maßnahmen: Renaturierung von Bachläufen und Auen dort, wo es topografisch sinnvoll und rechtlich möglich ist; gezielte Entsiegelung in hochgefährdeten Zonen; klare Vorgaben der Raumplanung für neue Hotel- und Infrastrukturprojekte; sowie die konsequente Wartung und Freihaltung von Entwässerungssystemen. Ergänzend brauche es leistungsfähige Frühwarnsysteme, regelmäßige Übungen der Einsatzkräfte und transparente Informationsketten für die Bevölkerung, damit Warnungen schnell verstanden und befolgt werden.
Als Hintergrund verwies Diakakis auf wiederkehrende Problemmuster: Bebauung in ehemaligen Überschwemmungsflächen, Verengung oder Teilüberbauung von Gerinnen und fehlende Kontrolle von Neubauten verschärften vielerorts die Wirkung von Starkregenereignissen. Solche Entwicklungen seien in Mittelmeerregionen verbreitet, auf Kreta wegen des reliefbedingten Abflussverhaltens jedoch besonders folgenreich. Aussagen über künftige Risiken knüpfte er ausdrücklich an die weitere Flächennutzung: Ohne eine Anpassung an die hydraulischen Realitäten der Insel würden Schäden bei extremen Wetterlagen tendenziell zunehmen.
Die Aussagen sind als fachliche Einordnung formuliert; konkrete politische Entscheidungen blieben im Interview offen. Klar ist jedoch die Prioritätensetzung: Vorsorge durch Raumplanung und verbesserte Frühwarnsysteme sowie der Schutz natürlicher Abflussräume sollen kurzfristige Maßnahmen wie lokale Mauern oder Rückhaltebecken nicht ersetzen, sondern ergänzen. Für Kreta ergibt sich daraus die Aufgabe, touristische Entwicklung und Schutz vor Überschwemmungen balanciert zu verzahnen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).