Griechenland steigert seine Stromexporte, muss aber zugleich wachsende Teile der erneuerbaren Erzeugung abregeln. Nach konsolidierten Angaben des Übertragungsnetzbetreibers ADMIE (IPTO) summierten sich die planmäßigen Einspeisebegrenzungen, die sogenannten Curtailments, 2025 auf rund 1.867 Gigawattstunden. Für die ersten sieben Monate 2026 werden bereits etwa 1.746 Gigawattstunden ausgewiesen. Analysen von The Green Tank und Branchenmeldungen deuten darauf hin, dass die Verluste 2026 weiter steigen könnten.
Der Befund verweist auf strukturelle Engpässe der Energiewende. Tagsüber erzeugen vor allem Photovoltaik und Wind in bestimmten Regionen mehr Strom, als das Netz transportieren kann. Abends hingegen deckt das System Nachfragespitzen häufig mit fossiler Erzeugung, insbesondere aus Erdgas. Weil es an Speichern mangelt und einzelne Leitungsabschnitte ausgelastet sind, lässt sich der günstige Ökostrom zeitlich oder räumlich nicht in ausreichendem Maß verlagern. In der Folge werden Anlagen gedrosselt, obwohl die Gesamtbilanz der Stromexporte steigt.
Ökonomisch gehen Erzeugern und Händlern damit Erlöse verloren. Systemisch bleibt die Abhängigkeit von abendlichen Gaskraftwerken höher als nötig, was die CO2-Intensität des Strommixes dämpft statt stärker zu senken. Fachbeiträge berichten seit Jahresbeginn 2026 von zunehmender Unsicherheit am Markt über die künftige Verteilung der Curtailment-Kosten und die Priorisierung von Netzprojekten.
Als Gegenmittel gelten drei Bausteine: Erstens der beschleunigte Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze, darunter engpassrelevante Leitungen sowie leistungsfähigere Knoten zwischen Lastzentren und erneuerungsstarken Regionen. Zweitens der zügige Hochlauf stationärer Batteriespeicher und die Realisierung geplanter Pumpspeichervorhaben, um Mittagsüberschüsse in die Abendstunden zu verschieben. Drittens klarere Regeln für Eingriffe in die Einspeisung und deren Kostenteilung zwischen Marktakteuren. ADMIE und der Verteilnetzbetreiber DEDDIE verweisen auf laufende Projekte und Genehmigungsverfahren.
Die Europäische Kommission und nationale Stellen sehen Förderrahmen vor, unter anderem über die Recovery and Resilience Facility. Entscheidend ist der zeitliche Vollzug: Da die installierte Kapazität von Erneuerbaren weiter wächst, steigen ohne Netzausbau und Speicher die systemischen Verluste. Branchenanalysten erwarten, dass zusätzliche Interkonnektoren die Exportchancen zwar verbessern, die innerstaatlichen Engpässe jedoch nicht ersetzen können.
Die politische Schlussfolgerung ist klar benannt, die Umsetzung aber offen: Erst wenn Netze, Speicher und Marktregeln Schritt halten, wird Griechenland einen größeren Anteil seiner erneuerbaren Erzeugung nutzen und gleichzeitig planbare Stromexporte sichern. Andernfalls dürften hohe Curtailments die Erträge drücken und die Dekarbonisierung bremsen.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).